No place I’d rather be!

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No place I’d rather be!

In meinen vorherigen Beiträgen habe ich schon viel über die Nachmittagsgestaltung im Waisenhaus geschrieben, sowohl über die Hausaufgabenbetreuung als auch über die Aktivitäten an einem Freitagnachmittag. Doch was sind unsere Aufgaben am Morgen? Wir machen uns jeden Nachmittag erst gegen halb zwei auf den Weg zum Waisenhaus, da dann die Kinder aus der Schule kommen und nach dem Mittagessen mit ihren Hausaufgaben anfangen. Aber morgens liege wir keinesfalls nur auf der faulen Haut! Auch in der Früh haben wir einiges zu tun, manches mehr, manches weniger aufregend. Aber auch diese Arbeit muss getan werden, andere Dinge sind dafür umso interessanter und öffnen einem die Augen.

Fangen wir mit einem der simpleren Dingen an: die Vorbereitung für die Hausaufgaben am Nachmittag. Hausaufgabenbetreuung ist vielleicht das falsche Wort für das Programm, das wir am Nachmittag durchführen, aber bei uns wird es immer nur so genannt. Eigentlich helfen wir den Kindern gar nicht bei ihren Schulhausaufgaben, es sei denn, sie fragen uns nach unseren Aufgaben nach Rat oder benötigen Hilfe. Andernfalls bereiten wir für sie Aufgaben vor, die sie am Nachmittag lösen müssen. Wir versuchen damit vor allem die Grundlagen abzudecken und jedes Kind möglichst individuell im eigenen Lerntempo zu fördern. Da jedes Kind dadurch auf einem unterschiedlichen Lernstand ist, gibt es am Vormittag natürlich vieles vorzubereiten. Jedes Kind sollte in Englisch eine Leseaufgabe mit Verständnisfragen bekommen und in Vokabeln und in Rechtschreibung getestet werden. Teilweise gibt es auch, vor allem für die Älteren, eine kleine Grammatikaufgabe. Da wir die Kinder nicht langweilen wollen, versuchen wir, ihnen alles so visuell und einfach wie möglich zu vermitteln. Dafür überlegen wir uns am Vormittag viele kreative Umsetzungsmöglichkeiten. Desweiteren müssen wir zum Leistungsniveau passende Matheaufgaben raussuchen. Außerdem korrigieren wir die Hausaufgaben vom Vortag. Wenn wir merken, dass das Kind Probleme mit dem jeweiligen Thema hatte, wird das an diesem Tag vertieft, wenn es tadellos ablief, können wir einen Schritt weiter gehen. Auch wenn man nach einiger Zeit Routine im Vorbereiten hat, wird es nie langweilig, weil man sich immer wieder neue Methoden einfallen lassen kann, wie man etwas einfacher vermitteln kann. Außerdem ist es beim Korrigieren schön zu sehen, wenn die Jungs und Mädchen Fortschritte machen.

Außerdem gehen wir jede Woche entweder für das Waisenhaus oder für das Feeding Scheme in Nseleni einkaufen. Für das Waisenhaus müssen wir jede Menge einkaufen, dafür gehen wir in zwei verschiedene Läden shoppen. Phoenix ist immer ein Erlebnis: Auf dem Parkplatz stehen mehrere Security Guards und am Eingang steht ein Mann mit Pistole, der den Laden bewacht und aufpasst, dass niemand etwas stiehlt. Phoenix kann man mit Metro in Deutschland vergleichen, es ist unglaublich groß und es ist immer sehr viel los. Hier kaufen wir das Meiste ein und unsere Einkaufswagen sind immer bis oben hin voll. 30 Kilo Reis, 20 Kilo Mehl, 100 Toastbrote, 20 Kilo Pudding – das ist nur der Anfang einer langen Shoppingliste! Am Ausgang wird das Eingekaufte zweimal kontrolliert, damit nichts gestohlen wird. Auf dem Parkplatz helfen dann sogenannte Park Guards beim Einladen der Einkäufe. Es ist ihr einziger Job und deshalb gibt man ihnen meist Trinkgeld. 2-5 Rand mögen für uns nicht viel klingen (20 Cent), doch ist es das einzige Einkommen, was sie haben. Außerdem kommen auf dem Parkplatz Verkäufer auf einen zu, die einem Messer oder andere Werkzeuge andrehen wollen, natürlich lehnen wir diese immer dankend ab. Teilweise muss man bei Phoenix bis zu einer Stunde anstehen, vor allem am Monatsende, weil dann alle Menschen ihren Lohn erhalten. Die Produktivität der Mitarbeiter lässt teilweise auch zu Wünschen übrig und so sieht man nicht selten vier Mitarbeiter in einer Ecke sitzen, die sich unterhalten und die es nicht zu interessieren scheint, dass Kunden an den Kassen lange anstehen müssen. Außerdem gibt es mindestens acht Kassen, aber oft funktioniert an nur einer oder an zweien das Kartenlesegerät. Natürlich sind hier die Schlangen am längsten und natürlich sind das auch die Schlangen, an denen wir uns anstellen müssen. Nach Phoenix steht Pick and Pay auf der Liste. Pick and Pay ist vergleichbar mit Real oder Aldi in Deutschland. Hier kaufen wir alle frischen Sachen wie Gemüse, Eier und Milchprodukte, aber auch Gewürze und Waschmittel. Im Vergleich zu Phoenix ist Pick und Pay nicht sehr aufregend und mit einem ganz normalen Einkauf in Deutschland zu vergleichen.

Jeden Sonntag und jeden Freitag bekommen wir Essensspenden von Woolworths. Woolworths ist ein teurer Supermarkt und hat meistens sehr leckere Sachen. In Südafrika ist es üblich, dass ein Supermarkt die Waren, die er nicht verkaufen kann, da sie beispielsweise abgelaufen sind, an gemeinnützige Organisationen spendet. Meiner Meinug nach ist das eine gute Sache, da der Großteil der Spenden verwertet werden kann und es unnötig wäre, noch essbare Nahrung wegzuwerfen. Vor allem in einem Land, wo Tausende unter Hunger leiden. Jedes Mal bekommen wir andere Sachen, die Kinder freuen sich besonders über Früchte und Gemüse, aber auch Fleisch und Brotspenden kommen uns gelegen, da wir dann weniger davon kaufen müssen und so das Geld für andere Dinge nutzen können. Oftmals bekommen wir auch Cracker und Süßigkeiten. Die meisten Spenden nehmen wir mit ins Waisenhaus. Wir nutzen die Spenden aber auch, wenn wir Hausbesuche durchführen. Über Hausbesuche werde ich in meinem nächsten Beitrag berichten. Kurz gesagt hören wir uns dabei die Probleme der Menschen der Community an, unterstützen sie so gut wie möglich und versorgen sie mit einigen Essensspenden. Das ist eine sehr spannende und interessante Erfahrung, oft ist es nicht einfach, da es einem die Augen öffnet und einem bewusst wird, wie viel manche Menschen leiden.

Uns wird also auch morgens nie langweilig. Natürlich erledigen wir auch anderen Kleinkram, der sonst noch so anfällt. Außerdem kann man in Südafrika nie einen 100-prozentigen Plan machen, da sich irgendwas sowieso ändert. Sei es, dass ein Auto plötzlich kaputt ist oder das Wetter umschlägt und es zu viel regnet und wir nicht ins Waisenhaus fahren können. Es wird also nie langweilig, da jeden Tag etwas Neues vorfällt, womit man in keinster Weise gerechnet hat! 🙂

2017-10-03T22:21:50+00:00